Was bedeutet psychoanalytisch-orientierte Psychotherapie?
- Angela Frey

- Dec 28, 2025
- 4 min read
Updated: Jan 6
Ein kleiner Leitfaden für Patienten und Patientinnen vor Aufnahme einer Therapie in meiner Praxis.
Einer der Hauptwirkfaktoren für eine gelungene Psychotherapie stellt die therapeutische Beziehung dar, die bestenfalls von Vertrauen, Wertschätzung und Empathie getragen sein sollte. Die Heraushebung der therapeutischen Beziehung könnte daher implizieren, dass das ausgeübte Verfahren, also die Methode, in der der Therapeut / die Therapeutin ausgebildet ist, nur zweitrangig ist. Dies entspricht jedoch nicht gänzlich meinen Erfahrungen.
Wenn man sich in einer psychischen Krise befindet oder schon seit längerem mit schwierigen Verhaltens- und Erlebensmustern zu kämpfen hat, bei denen man sich Veränderung wünscht, ist man oft froh, überhaupt einen Therapeuten oder eine Therapeutin zu finden, der / die noch freie Kapazitäten hat. Die ausgeübte Methode ist daher oft nur zweitrangig, spielt oft bei der Suche keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Meiner Meinung nach ist es aber schon von einer nicht unerheblichen Bedeutung, wie in der Therapie gearbeitet wird. Vor allem auch, um etwaigen Enttäuschungen über das, was in einer Therapie möglich ist und was nicht, von Anfang an entgegenzuwirken.
Daher ist es mir ein Anliegen, die Methode der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie hier näher vorzustellen. Dies soll vor allem Ihnen als Patient / Patientin im Entscheidungsprozess vor Aufnahme einer Therapie helfen. Je besser Sie informiert sind, desto mehr Selbstwirksamkeit kann schon im Vorfeld entstehen.
In Österreich sind derzeit 23 psychotherapeutische Methoden zugelassen, die nach dem neuen Psychotherapiegesetz von 2024 in vier verschiedene Hauptrichtungen (Cluster) unterteilt sind.
Unterschieden werden folgende Cluster:
Humanistische Therapie
Psychoanalytisch-psychodynamische Therapie
Systemische Therapie
Verhaltenstherapie
Die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie gehört dabei zum psychoanalytisch-psychodynamischen Cluster.
Was bedeutet nun aber „psychodynamisch“? Psychodynamik meint das Zusammenspiel zwischen bewusst erlebten Verhaltensweisen, Wünschen, Gefühlen und Gedanken und den unbewussten Komponenten.

Vielleicht haben Sie schon einmal vom Eisberg-Modell gehört: Wir sehen von außen nur die oberste Spitze des Eisbergs über dem Meeresspiegel (das wären hier die bewussten Anteile), der weitaus größere Teil des Eisbergs liegt aber unsichtbar im Meer verborgen (die unbewussten Strebungen, die aber in nicht unerheblichem Ausmaß unser Verhalten steuern).
In einer psychodynamischen Therapie beschäftigt man sich viel mit diesen unter der Oberfläche liegenden Anteilen, so zum Bespiel mit der Lebensgeschichte, mit den frühen Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen und mit daraus resultierenden unbewussten Konflikten. Als psychoanalytisch orientierte Psychotherapeutin gehe ich in meinem Verständnis davon aus, dass genau diese wichtigen Erfahrungen der Vergangenheit unter anderem prägend für unser Verhalten und Erleben heute sind. Sie zu verstehen kann eine neue Sicht auf heutige, aktuelle Probleme bieten. Es geht also in der Therapie darum, die aktuell vorherrschende Symptomatik, wegen der eine Therapie aufgesucht wird, im Kontext der eigenen Biographie zu sehen und zu verstehen. Bewusstwerdung ist dabei der erste Schritt, um dann Verhalten und Erleben verändern zu können, um dann mit wiederkehrenden Problemen anders umgehen zu können.
Wir machen uns also in der Therapie gemeinsam auf die Suche nach wiederkehrenden Verhaltensmustern und schauen hier auch besonders auf die damit einhergehenden Gefühle und Gedanken. Dabei geht es nicht nur um die Beziehungen zu anderen Menschen, sondern auch um die Beziehung zu sich selbst; darum, wie Sie selber mit sich umgehen und was davon eigentlich wirklich zu Ihnen gehört und was aus der Vergangenheit kommt. Therapie ist also eine Einladung, sich intensiver mit sich selber, den eigenen Wünschen, Träumen, Beziehungen, Fantasien sowie Erlebensmustern auseinanderzusetzen.
Ich erlebe es des Öfteren, dass Patienten und Patientinnen einen großen Wunsch nach konkreten Ratschlägen, Tipps oder Handlungsanweisungen haben. Dies ist absolut verständlich, machen einen doch eine psychische Erkrankung oder wiederkehrende Schwierigkeiten auch immer ein Stück hilflos und ohnmächtig. Hier kann dann aber auch ein Enttäuschungsfaktor verborgen sein. In den psychodynamischen Therapierichtungen geht es weniger darum, konkrete Lösungen vorzugeben. Der Schwerpunkt liegt darauf, gemeinsam zu verstehen, wie bestimmte Muster entstanden sind und sich in Beziehungen wiederholen, z. B. auch in der therapeutischen Beziehung. Als Therapeutin sehe ich daher als eine Art Begleiterin, die Sie darin unterstützt, das eigene Erleben und Beziehungsmuster aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und vielleicht noch verborgene Aspekte zu entdecken.
Die Therapie bietet also einen Raum, in dem wir gemeinsam über Ihre Schwierigkeiten nachdenken. Im besten Fall entwickeln Sie dann selber Impulse für eine Verhaltensänderung, die dann von mir reflektierend und unterstützend begleitet wird. Veränderungen sind dabei oft nicht sofort spürbar. Sie entstehen eher langfristig daraus, dass man eigene Gefühle, Erwartungen und Beziehungserfahrungen besser wahrnimmt und versteht.
Ich hoffe, durch diesen kleinen (und weitaus nicht vollständigen) Leitfaden konnte bei Ihnen ein bisschen mehr Klarheit entstehen, um was es in einer psychodynamischen Therapierichtung geht. Manchmal merkt man bei näherer Beschäftigung auch, dass dieser Zugang im Moment nicht der richtige für einen selber ist. Dies wäre dann sogar eine begrüßenswerte Erkenntnis, denn nicht nur die therapeutische Beziehung sollte stimmig sein, sondern auch eine zumindest grundlegende Sympathie für das angewendete Verfahren sollte vorhanden sein. Beide Aspekte sind dabei miteinander verknüpft: Eine tragfähige therapeutische Beziehung entsteht nur, wenn die Patientin / der Patient sich auch mit der Art des Arbeitens grundsätzlich identifizieren kann. Wenn Sie sich für eine Therapie in meiner Praxis interessieren, können wir darüber gerne in einem Erstgespräch sprechen.



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